Sigmund Freud
Foto: (c) S. Fischer Verlag
Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren geboren. Infolge der Technisierung der Textilindustrie - der Vater war Wollhändler - musste die Familie bereits im dritten Lebensjahr des Kindes den Heimatort verlassen und ließ sich schließlich in Wien nieder. Kindheit und Jugend in bitterer Armut. Dennoch wurden für die Ausbildung des Hochbegabten alle Anstrengungen unternommen: Besuch des Gymnasiums; Studium an der damals berühmten Wiener Medizinischen Fakultät; dort prägende Eindrücke insbesondere im Physiologischen Institut Ernst Wilhelm von Brückes, wo Freud bis 1882 blieb und bedeutende neurowissenschaftliche Beiträge veröffentlichte. Promotion 1881.
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Im Jahr darauf Verlobung mit Martha Bernays, die einer bekannten deutsch-jüdischenFamilie entstammte, aber gleichfalls verarmt war. Da keine Aussicht auf eine baldige Universitätskarriere bestand, entschloss sich Freud, um eine Familie gründen zu können, die vorwiegend theoretisch-wissenschaftliche Ausrichtung seines Arbeitens aufzugeben und sich auf die Niederlassung als Nervenarzt vorzubereiten. Zwecks Aneignung praktischer Kenntnisse von 1882 bis 1885 Lehrjahre auf den verschiedenen Stationen des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. Weil die Dozentur damals auch für niedergelassene Ärzte förderlich war, Habilitation 1885. 1885/86 Studienaufenthalt in Paris an der Salpêtrière; unter dem Einfluss Jean-Martin Charcots, der die Phänomene der Hysterie und des Hypnotismus erstmals wissenschaftlicher Untersuchung für würdig befand und von der Bedeutung der Sexualität bei der Verursachung psychischer Erkrankungen überzeugt war, entscheidende Verlagerung von Freuds Interessensschwerpunkt von der Neuropathologie zur Psychopathologie.
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Sigmund Freud und Martha Bernays als Verlobte, ca. 1885
Foto: (c) S. Fischer Verlag
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Neurowissenschaften und Hirnforschung, gegenwärtig in stürmischem Aufschwung, haben inzwischen Grundannahmen der Psychoanalyse bestätigt: Wucht und Umfang unbewusster psychischer Prozesse; lebenslange Fortwirkung nicht erinnerbarer frühkindlicher Erfahrungen; Motivation durch Triebe, Sinnhaftigkeit der Träume. Wissenschaftlern von heute ist also quasi die Beweisführung gelungen, um die sich Freud zu Anfang seiner Laufbahn, infolge des noch unzulänglichen Entwicklungsstandes der damaligen Neurologie, vergeblich bemüht hatte. Eric R. Kandel, Nobelpreisträger für Medizin des Jahres 2000 und renommierter Gedächtnisforscher, hat kürzlich festgestellt, die Psychoanalyse sei nach wie vor "the most coherent and intellectually satisfying view of the mind".
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C.G. Jung
Foto: (c) S. Fischer Verlag
Nach Rückkehr nach Wien 1886 Heirat und Niederlassung als Nervenarzt. Unabhängig von der Universität also, auf der Basis eines in der Privatpraxis erarbeiteten neuartigen diagnostischen und therapeutischen Umgangs mit an Hysterie und anderen Neurosenformen leidenden Patienten, später zusätzlich mittels einer rigorosen Selbstanalyse entwickelte Freud Schritt für Schritt seine Psychoanalyse. Dazu gehörten u.a. folgende Innovationen:
- die Erfindung einer eigenen Forschungs- und Behandlungsmethode, die allein unmittelbaren Zugang zum Unbewussten ermöglicht, die Methode der freien Assoziation;
- Entdeckung und systematische Erforschung des Unbewussten und seiner befremdlichen Logik, also eines im Normalleben wie im Krankheitsgeschehen gleichermaßen wirksamen, abgewehrten psychischen Bereichs, welcher von Dichtern und Philosophen bislang allenfalls andeutungsweise und aphoristisch beschrieben worden war; letztlich die wenig schmeichelhafte und tief beunruhigende Erkenntnis, dass das Ich "nicht einmal Herr ist im eigenen Haus";
- Entdeckung von Sinnhaftigkeit und Deutbarkeit der Träume; Entzifferung der Traumsprache;
- Aufdeckung der Wucht des im Körper verankerten Triebgeschehens, des Sexual- wie des Aggressionstriebs, und die Einsicht, dass Kultur nur mittels stets prekären Triebverzichts aufrechterhalten werden kann;
- Konzipierung eines erweiterten Begriffs von Sexualität sowie der von Geburt an regelhaften Stadien einer komplexen, störanfälligen Sexualentwicklung, was zu einem neuartigen Verständnis z.B. der Perversionen, aber auch zu einer Relativierung der Abgrenzung zwischen seelischer Normalität und Psychopathologie geführt hat;
- ein neues Verständnis und eine neuer Umgang mit der von derjenigen des Erwachsenen völlig verschiedenen inneren Welt des Kindes;
- Studium der Wirksamkeit unbewusster Mechanismen in individuellen Alltagsphänomenen wie Fehlleistungen, Witz, Humor, Trauer einerseits und andererseits im kollektiven Gruppengeschehen, etwa in Religion, Revolution, Krieg.
In den Jahrzehnten dieser gigantischen Forschungsarbeit entstand zugleich ein schriftstellerisches Oeuvre von Weltrang.
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Lou-Andreas Salomè
Foto: (c) S. Fischer Verlag
Die frühen Denkdurchbrüche gelangen Freud im Dialog mit zwei herausragenden intellektuellen Freunden, die wie er selbst weitgespannte wissenschaftlich-theoretische Interessen verfolgten, dem älteren Wiener Internisten Josef Breuer und danach dem fast gleichaltrigen Berliner Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten Wilhelm Fließ. Nach Ende dieser Freundschaften konstituierte sich seit 1902 ein Kreis von Schülern und Mitarbeitern - Freud war im selben Jahr zum Titular-Extraordinarius ernannt worden - , die 'Psychologische Mittwochgesellschaft'. Sie bildete den Kern der zunehmenden Ausbreitung und Institutionalisierung der Psychoanalyse. Über die Jahre Sezessionen einzelner Schüler und Anhänger, darunter Alfred Adler, C.G. Jung und Otto Rank. Auch von Seiten der umgebenden Gesellschaft permanente Anfeindung, jedoch schließlich auch weltweite Anerkennung. Kontakte und Freundschaften mit großen Figuren der Epoche, darunter Thomas Mann, Arnold Zweig, Stefan Zweig, Lou Andreas-Salomé und Albert Einstein.
Mit seiner Frau und seinen sechs Kindern führte Freud, der revolutionäre Denker, der unser Bild vom Menschen fundamental verändert hat, ein traditionell bürgerliches Familienleben; seine jüngste Tochter, Anna, wurde selbst eine renommierte Psychoanalytikerin, Mitbegründerin der Kinderanalyse. 1923 Krebserkrankung Freuds. 1930 Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Bei der Bücherverbrennung 1933 in Berlin wurden auch Werke aus seiner Feder vernichtet. 1935 Ehrenmitglied der 'Royal Society of Medicine'. In Wien ist Freud zeitlebens nie auf einen ordentlichen Lehrstuhl berufen worden. 1938 Emigration nach London, wo er, der Nazi-Verfolgung entronnen, am 23. September 1939 starb.
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Die frühen Denkdurchbrüche gelangen Freud im Dialog mit zwei herausragenden intellektuellen Freunden, die wie er selbst weitgespannte wissenschaftlich-theoretische Interessen verfolgten, dem älteren Wiener Internisten Josef Breuer und danach dem fast gleichaltrigen Berliner Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten Wilhelm Fließ. Nach Ende dieser Freundschaften konstituierte sich seit 1902 ein Kreis von Schülern und Mitarbeitern - Freud war im selben Jahr zum Titular-Extraordinarius ernannt worden - , die 'Psychologische Mittwochgesellschaft'. Sie bildete den Kern der zunehmenden Ausbreitung und Institutionalisierung der Psychoanalyse. Über die Jahre Sezessionen einzelner Schüler und Anhänger, darunter Alfred Adler, C.G. Jung und Otto Rank. Auch von Seiten der umgebenden Gesellschaft permanente Anfeindung, jedoch schließlich auch weltweite Anerkennung. Kontakte und Freundschaften mit großen Figuren der Epoche, darunter Thomas Mann, Arnold Zweig, Stefan Zweig, Lou Andreas-Salomé und Albert Einstein.
Mit seiner Frau und seinen sechs Kindern führte Freud, der revolutionäre Denker, der unser Bild vom Menschen fundamental verändert hat, ein traditionell bürgerliches Familienleben; seine jüngste Tochter, Anna, wurde selbst eine renommierte Psychoanalytikerin, Mitbegründerin der Kinderanalyse. 1923 Krebserkrankung Freuds. 1930 Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Bei der Bücherverbrennung 1933 in Berlin wurden auch Werke aus seiner Feder vernichtet. 1935 Ehrenmitglied der 'Royal Society of Medicine'. In Wien ist Freud zeitlebens nie auf einen ordentlichen Lehrstuhl berufen worden. 1938 Emigration nach London, wo er, der Nazi-Verfolgung entronnen, am 23. September 1939 starb.
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